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Die „Große Rezession“ – Folgen für die Wirtschaft und die Nationalökonomie

Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise 2009, von Paul Krugman in The New York Times vom 17. Juni 20091 im Gegensatz zur „Großen Depression“ 1929 als „Große Rezession“ apostrophiert, hat nicht nur große Erschütterungen in der internationalen Finanz- und Weltwirtschaft ausgelöst, sondern auch – wie es scheint - eine Krise in der Nationalökonomie. Angesichts der Tatsache, dass die Krise von vielen Wirtschaftsforschern nicht vorhergesehen wurde, steckt die Zunft der Volkswirte weltweit in Erklärungsnöten.

In Deutschland ist aus Anlass der Nachbesetzung mehrerer Lehrstühle klassischer deutscher Ordnungspolitiker durch mathematisch orientierte Forscher angelsächsischer Prägung an der Universität Köln ein „Methodenstreit in der Volkswirtschaftslehre“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und im Handelsblatt entbrannt2. Können Ordnungspolitiker mit guten institutionellen Kenntnissen Wirtschaftskrisen wie die jetzige besser verstehen und daher voraussagen als rein formal ausgebildete Ökonomen oder bedarf es - wie ihn Hans-Werner Sinn3 vorschlug - des „Richtigen Dreiklangs in der Volkswirtschaftlehre“, also einer Harmonie von Theorie, Ökonometrie und Institutionenkentnissen?

Auch in angelsächsischen Medien – Sprachrohr ist The Economist4 - wird die Frage heftig diskutiert, was mit der Nationalökonomie schief gelaufen ist, da sie die Krise so spät erkannt hat. Fundierter ist die „Global Crisis Debate“ auf der Webseite „VoxEU“5. Brauchen wir wieder einen Paradigmenwechsel wie ihn John Maynard Keynes mit seiner General Theory als Antwort auf die Folgen der „Großen Depression“ vollzogen hat?

Die NOeG eröffnet hiermit eine Diskussionsplattform zu diesem Themenkomplex. Sie soll den Mitgliedern der NOeG, aber auch darüber hinaus, die Möglichkeit bieten, ihre Meinungen zu den Problemen rund um die gegenwärtige „Große Rezession“ kund zu tun.

Die Debatte läuft unter drei Themenkreisen:

  • Die Große Depression 1929 versus die Große Rezession 2009?
    Ursachen damals und heute; Vergleiche im Verlauf beider Krisen (siehe Eichengreen-O’Rourke6)
  • Braucht die Nationalökonomie einen Paradigmenwechsel?
    Warum wurde die gegenwärtige Krise so schlecht vorausgesehen? Müssen die Theorien und Prognosemodelle nur adaptiert oder gänzlich neu konzipiert werden?
  • Politische Antworten auf die Krise?
    Stärkere – welche? - Regulierung der Finanzmärkte; eine neue Weltreservewährung, wie von China und Russland vorgeschlagen; bessere wirtschaftspolitische Koordination, neue Makropolitik7

1Siehe: http://krugman.blogs.nytimes.com/2009/03/20/the-great-recession-versus-the-great-depression/
2Siehe die Zusammenstellung der Debattenbeiträge auf der Webseite des CESifo: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/90spezial/methoden
3„Der richtige Dreiklang der VWL“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 141, 22. Juni 2009, S. 12.
4“What went wrong with economics”, The Economist, July 18th 2009, pp. 11-12 (http://www.economist.com/opinion/displaystory.cfm?story_id=14031376)
5Siehe die Webseite VoxEU: http://www.voxeu.org/
6Eichengreen, B. and O’Rourke, K. H., “A Tale of Two Depressions”, VoxEU, 4 June 2009 (http://www.voxeu.org/index.php?q=node/3421)
7Blanchard et al. stellen Überlegungen für eine "neue Wirtschaftspolitik" nach der Krise unter dem Titel "Rethinking Macroeconomic Policy" an. (Download)

 

Am 22. März 2010 hat das KOF, die Konjunkturforschungsstelle an der ETH Zürich eine neue Internetplattform "Ökonomenstimme" (http://www.oekonomenstimme.org/) als Diskussionplattform für aktuelle Themen (Finanzkrise, Schattenwirtschaft, Pensionen, volkswirtschaftlicher Methodenstreit in Deutschland etc.) eingerichtet.

 

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